Die Nicht-Definition der Homöopathie eröffnet Scharlatanerie

Joachim Schulz definiert in Spektrum der Wissenschaft die Definition von Begriffen:

„Ein Unterschied zwischen Esoterik und Naturwissenschaft(Physik) sollte sein, dass man von der Physik für verwendete Begriffe eine nachvollziehbare Definition erhalten muss.“ schreibt der Kommentator KRichard zu meinem Artikel Zeit und Symmetrie physikalischer Gesetze. Ich halte dagegen: Es ist eine Stärke der Naturwissenschaft, dass die nachvollziehbare Definition eines Begriffs das Ziel wissenschaftlicher Betrachtungen sein kann. Sie steht nicht notwendig am Anfang.

http://scilogs.spektrum.de/quantenwelt/definition-und-wesen-von-begriffen/

Wenn wir diese Betrachtung auf die Homöopathie anwenden ergibt sich folgendes:

– Wir arbeiten mit einer Definition der Homöopathie von Hahnemann, die keine Definition ist, sondern eine Umschreibung.

– Das lässt Spielraum für Esoteriker ihre eigene falsche Auffassung in die Hahnemannschen Ausführungen zu verschieben und als „Weiterentwicklung“ der Homöopathie zu verkaufen im Sinne von viel Geld für Unfug kassieren.

Herr Schulz erklärt jedoch, dass die Definition nicht unbedingt am Anfang einer Wissenschaft stehen muss, sondern auch möglicher weise am Ende.

Was wissen wir nun über Homöopathie und was lässt eine Definition zu?

Wir finden bei Hahnemann keine Definition der Homöopathie. Dafür beschreibt er jedoch die „geistartige Wirkung der Krankheit sehr genau:

„Das Menschenleben geht in keiner Rücksicht nach rein physischen Gesetzen vor sich, die nur in unorganischen Substanzen walten.

[Samuel Hahnemann: Reine Arzneimittellehre. DB Spezial: Samuel Hahnemann: Gesammelte Werke, S. 22863

(vgl. Arzneimittellehre-Bd. 2, S. 4)]

Da also der Zustand des Organism’s und sein Befinden bloss von dem Befinden des ihn belebenden Lebens abhängt, so folgt, dass das veränderte Befinden, was wir Krankheit nennen, ebenfalls ein nicht nach chemischen, physischen oder mechanischen Hinsichten, sondern ursprünglich bloss in seinen lebendigen Gefühlen und Thätigkeiten veränderter, das ist, ein dynamisch veränderter Zustand des Menschen, eine abgeänderte Existenz seyn müsse, durch welche dann ferner die materiellen Bestandtheile des Körpers in ihren Eigenschaften abgeändert werden, wie es der krankhaft abgeänderte Zustand des lebendigen Ganzen, in jedem einzelnen Falle erheischt.

[Samuel Hahnemann: Reine Arzneimittellehre. DB Spezial: Samuel Hahnemann: Gesammelte Werke, S. 22865

(vgl. Arzneimittellehre-Bd. 2, S. 5)]

Die Homöopathik weiß, daß Heilung nur durch Gegenwirkung der Lebenskraft gegen die eingenommene, richtige Arznei erfolgen kann, eine um desto gewissere und schnellere Heilung, je kräftiger noch beim Kranken seine Lebenskraft vorwaltet.“

[Samuel Hahnemann: Organon der Heilkunst (6. Auflage). DB Spezial: Samuel Hahnemann: Gesammelte Werke, S. 21535

(vgl. Organon-6, S. 76)]

Wir erhalten bei Hahnemann keine Definition der Homöopathie.

Dafür erklärt er jedoch seine Auffassung von Krankheit und Gesundheit.

Krankheit ist für ihn eine Tätigkeit der Lebenskraft.

„Sie kann jeden Nachdenkenden leicht überzeugen, daß die Krankheiten der Menschen auf keinem Stoffe, keiner Schärfe, d.i. auf keiner Krankheits-Materie beruhen, sondern daß sie einzig geistartige (dynamische) Verstimmungen der geistartigen, den Körper des Menschen belebenden Kraft (des Lebensprincips, der Lebenskraft) sind“.

[Samuel Hahnemann: Organon der Heilkunst (6. Auflage). DB Spezial: Samuel Hahnemann: Gesammelte Werke, S. 21535

(vgl. Organon-6, S. 75-76)]

Damit ist erkennbar, dass Hahnemann alleine durch Nachdenken darauf gekommen ist, dass die Lebenskraft keine nach rein physischen Gesetzen ablaufendes Programm sein kann.

Heute würde man formulieren:

Der Computer alleine ist ohne sein Programm nicht in der Lage Lebensvorgänge zu generieren.

Für die Lebensprogramme verwendet er den Begriff der „geistartigen Lebenskraft.“

Die Verstimmung dieser Lebensprogramme bezeichnet er dann als Krankheit, die durch die homöopathischen Mittel umprogrammiert werden können oder genauer: Durch die Gegenwirkung der Lebenskraft gegen die eingenommene richtige Arznei.

Wir wissen aus den Erfahrungen der letzten 200 Jahre, dass Homöopathische Mittel nicht lediglich durch die Gegenwirkung der Lebenskraft gegen die eingenommene richtige Arznei gesund macht, sondern auch in der Lage ist die Lebenskraft noch weiter krankhaft zu verstimmen und dabei sogar das Lebensende zu beschleunigen oder im Extremfall den Tod herbeizuführen.

Wir programmieren also direkt die Lebenskraft um und können dabei im besten Fall eine Heilung der Lebenskraft bewirken und im ungünstigen Fall, der heute leider die Regel ist, eher die Lebenskraft schädigen.

Warum sind die modernen Theorien der Homöopathie alle ausnahmslos Scharlatanerie?

Weil sie den Gedanken der Lebenskraft nach Hahnemann missachten.

Herr Scholten geht davon aus, dass im Periodensystem der Elemente irgendwelche Gesetzmäßigkeiten zu erkennen wären, welche mit der Lebenskraft zu tun hätten und diese heilen könnten. Dabei beruft er sich jedoch nicht auf die reine Erfahrung, sondern auf selbst ersponnen Theoriegebäude. Die Arzneimittelprüfung finde bei ihm nicht statt.

Genauso verhält es sich mit Herrn Sankaran und in abgemilderter Form bei Herrn Vithoulkas.

Das einzige Gesetz der Lebenskraft, welches durch die Beobachtung entstanden ist, stammt von Hering und wird nach ihm die Heringsche Regel genannt.

Sie liefert die Kriterien, nach welchen wir Heilungsvorgänge einschätzen können. Nicht jedoch nach irgendwelchen selbst ersponnen Systemen.

Zusammenfassung:

Wir können von Hahnemann leider keine Definition erhalten, was er unter Homöopathie verstehen will. Das ermöglicht es jedem Scharlatan seine eigene Definition an die Stelle der Erkenntnisse von Hahnemann zu setzen und dazu Homöopathie zu sagen.

Die zukünftige Arbeit sollte darin bestehen eine Definition der Homöopathie unter Verwendung der heute vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu vereinbaren, welche nicht auf Mutmaßungen, sondern auf den Heilgesetzen der geistartigen Lebenskraft beruht.

Nicht übersehen werden darf, dass die heutige Schulmedizin in ihren Erkenntnisse noch 200 Jahre hinter Hahnemann zurück liegt, trotz aller Fortschritte in der Diagnostik und der Chirurgie.

Chronische Kranheiten lassen sich normaler weise nicht durch Schulmedizin heilen, bestenfalls etwas lindern. Mit Hahnemannscher Homöopathie ist das in vielen Fällen gelungen.